Als eines der teuersten Gemälde der Welt wurde es 1998 für 71,5 Millionen Dollar verkauft. Es befindet sich derzeit im Besitz eines privaten Sammlers und kann daher nicht öffentlich besichtigt werden. Während seiner Karriere fertigte Van Gogh mindestens 35 Selbstporträts an. Dieses Werk zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass es das einzige ist, das den Künstler mit glatt rasiertem Gesicht zeigt. Dieses einzigartige Merkmal hat es zu einem Favoriten bei Kunstkritikern und Historikern gemacht, obwohl es für die Öffentlichkeit nicht so sofort erkennbar ist wie einige seiner anderen Stücke.

Es wurde zu einer Zeit in Van Goghs Leben produziert, als er aufgrund einer turbulenten Situation mit seinem Künstlerkollegen und engen Freund Gauguin durch persönliche Schwierigkeiten ging. Trotz seiner berühmten Armut hatte Van Gogh immer versucht, Gauguin finanziell zu helfen. Als Van Goghs Bruder eine Geldsumme erbte, bestand der Künstler darauf, dass ein Teil davon verwendet wurde, um eine Reihe von Gemälden bei Gauguin in Auftrag zu geben . Anschließend zogen die beiden zusammen, um sich die Kosten zu teilen. Leider führte das Leben auf engstem Raum zu Spannungen zwischen den ehemaligen Freunden, und Van Gogh – ohnehin schon ein emotional zerbrechliches Individuum – war am Boden zerstört durch den Zusammenbruch ihrer Freundschaft.

Vor diesem Hintergrund produzierte Van Gogh das Selbstporträt ohne Bart. Der gehetzte Ausdruck in seinen Augen spiegelt die Melancholie wider, die er empfand. Viele Kritiker finden, dass dieses Gemälde eine der besten Darstellungen von Van Goghs gequältem Geisteszustand ist, der die letzten Jahre seines Lebens charakterisierte. Sein Gesichtsausdruck ist hilflos, während das Fehlen eines Bartes ihn jünger, fast jungenhaft erscheinen lässt, was den Anschein von Verletzlichkeit verstärkt. Tatsächlich war Van Gogh Mitte dreißig, als er dieses Werk produzierte, aber er wirkt viel jünger.

Neben dem Sujet gibt es noch weitere Merkmale, die dieses Gemälde eindeutig als Van Gogh bezeichnen. Er verwendet seine übliche kräftige Pinselführung mit kleineren Strichen, um die Gesichtszüge zu erzeugen, und dickeren, breiteren für das Hemd und den Wandhintergrund. Dies verleiht dem Gesicht auch mehr Bedeutung und hebt es vom Rest des Gemäldes ab. Auch die Farben sind klassisch Van Gogh, wobei diese Blau- und Orangepalette regelmäßig in seinem Werkkanon wiederholt wird. Van Gogh selbst scheint das Gemälde gemocht zu haben, da er es seiner Mutter zum Geburtstag schenkte. Auch dies deutet darauf hin, dass es sich um ein besonders gutes Abbild des Malers handelt.