Das Jahr, das Vincent im Krankenhaus verbrachte, war besonders produktiv. In der Klinik wurde ihm Raum gegeben, um ihn als Atelier zu nutzen, und man sah ihn auch oft an seiner Staffelei sitzen und im ummauerten Garten malen. Im Laufe des Jahres soll er über 150 Werke gemalt haben. Bemerkenswert unter den vielen seiner in dieser Zeit fertiggestellten Werke war das ikonische „Sternennacht“, das die Aussicht aus dem nach Osten ausgerichteten Raum seiner Anstalt mit dem Zusatz eines imaginären Dorfes darstellte. Später im selben Jahr fertigte er auch das letzte und berühmteste von über 30 Selbstporträts an, ein beeindruckendes Werk, das heute eines der bekanntesten Gemälde der westlichen Kunst ist. Im Rahmen seiner Rehabilitation erlaubten die Ärzte von Saint-Paul dem Künstler, regelmäßig außerhalb des Hauptgeländes des Krankenhauses spazieren zu gehen.

Er ließ sich von der Landschaft inspirieren und begann, Bilder der lokalen Olivenhaine, Weizenfelder und lila Lavendel zu malen. Besonders die Zypressen interessierten ihn und er malte sie immer wieder – ihre Bögen und Äste, die sich wie Ebenholzflammen durch die Luft winden. „Grünes Weizenfeld mit Zypresse“ ist vielleicht das vollendetste dieser Landschaftsbilder. Wie viele der damaligen Arbeiten des Künstlers wurde es in Öl auf eine 30er-Leinwand mit den Maßen 73 x 93,5 cm gemalt. Es zeigt ein wirbelndes, unebenes Weizenfeld, die grünen Ähren der Ernte beginnen sich mit den bernsteinfarbenen Farbtönen der Saison zu vermischen. Eine Zypresse steht hager am Horizont, ein dunkler und imposanter Obelisk, der sich in Richtung der wirbelnden Wolken darüber streckt.

Ein hübsches Haus mit gelbem Dach steht hinter dem Feld, seine klaren Linien und seine solide Struktur sind undurchlässig für die aufgewühlte Natur, die um seine Wände herum brodelt. Der azurblaue provenzalische Himmel schaut zu, ein leidenschaftsloses Blauband und im Vordergrund ringen sich die stygischen Schatten der vielen Dornen der Hecke auf die Leinwand. Van Gogh schrieb einmal in einem Brief an seinen Bruder Theo, dass „Maler, die tot und begraben sind, durch ihre Arbeit mehrere nachfolgende Generationen ansprechen“. Die zahlreichen Werke von Van Gogh boten vielen Künstlern, die nach ihm kamen, eine enorme Inspiration.